Zeitungsbericht zum Besuch von Kultusministerin Eisenmann am LWG

bt-22-11-2016
Quelle: Badisches Tagblatt, 22.11.2016

Rastatt (ema) – Rastatter Modell? Ältere Schüler reden bei der Sexualaufklärung mit jüngeren? Zwei Beispiele, bei denen sich Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) gestern Morgen aufs Angenehmste darüber überrascht zeigte, mit welchen Angeboten das Ludwig-Wilhelm-Gymnasium aufwartet.

Das LWG war die erste Station ihres Besuchs im Schulamtsbezirk Rastatt. Und da konnte Susanne Eisenmann gleich mal bei einer Visite in einer fünften Klasse feststellen, wie heutzutage Latein-Unterricht aussehen kann. Schulleiter Markus Braun hatte die Ministerin bewusst in den Unterricht von Latein-Lehrerin Andrea Schludi gelotst. Zum einen, weil das LWG über das Profil „europäisches Gymnasium“ verfügt, mit dem Schüler, die zwei alte und zwei moderne Fremdsprachen in ihrer Schullaufbahn wählen, zum Abitur eigens ein Zertifikat erhalten. Zum anderen hat die Pädagogin das Programm „Lernen lernen“ mitentwickelt, mit dem Fünftklässler Lernstrategien entwickeln können.
Als sich anschließend Beteiligte des Schullebens im altehrwürdigen Bibliotheksaal um die Ministerin scharten, erläuterte Markus Braun einige Besonderheiten der Schule. Angetan zeigte sich Eisenmann vom „Rastatter Modell“, das in anderen Einrichtungen Schule gemacht hat. In den Anfangsklassen werden Klassenlehrer-Teams gebildet, gleich in.den fünften Klassen Landschulheimaufenthalte organisiert und großer Wert auf Prävention gelegt. Ein gutes Miteinander, das Schülersprecher Niklas Berg und Elternbeiratssprecher Stefan Tiede bestätigten.

Klar, dass die Zukunft des neunjährigen Zugs (G9), der im Landkreis Rastatt nur am LWG angeboten wird, ein beherrschendes Thema war. Schulleiter Braun brach eine Lanze für G9, weil das Angebot in vielerlei Hinsicht Entlastung bringe. Einziger Wermutstropfen: Es gebe Eltern, die der falschen Einschätzung unterliegen, dass G9 leichter sei als G8, und die deshalb ihr Kind, das eher für die Realschule geeignet sei, aufs LWG schicken wollten.

Die Ministerin gab ein klares Bekenntnis zu G9 ab. Alle 44 Standorte in Baden-Württemberg blieben erhalten; es. kämen aber auch keine neuen hinzu.

Bei der Frage, wie die Unterrichtsqualität verbessert werden könne, äußerte Markus Braun die Hoffnung, dass bereits vor dem Besuch des Gymnasiums die Kernkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen) gestärkt werden, ohne dass er den Grundschulen den schwarzen Peter zuschieben wolle, wie es der Schulleiter formulierte. Wie auch später gegenüber Elternvertretern signalisierte Eisenmann, dass gerade bei Methoden Handlungsbedarf bestehe. „Wir sollten Lehrer wieder stärker Lehrer sein lassen“, ging die Ministerin eher auf Distanz zu der Rolle eines „Lemprozessbegleiters“. Insgesamt komme es auf eine „kluge Mischung“ an. Braun selbst bekannte sich dazu, dass man mit Frontalunterricht häufig besser die Ziele erreiche.

Welches Konzept auch immer gefahren wird: Es geht nur mit ausreichend Lehrern. Und da räumte die Ministerin ein: „Wir haben ein Versorgungsproblem.“ Es gebe zu wenige Bewerber. „Da müssen wir gegensteuern.“

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