Jahresvortrag der Vereinigung der Freunde des LWG und Herbstbasar

Geschrieben von: Björn Schumacher

Dr. Johannes Werner

Dr. Johannes Werner

Am Freitag, den 20. November wurden die Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr 2015 mit einem letzten Paukenschlag beendet. Dr. Johannes Werner vollendete auf Einladung des Fördervereins „Freunde des LWG“ eine Vortragsreihe, die er im Januar selbst eröffnet hatte. Standen damals die Piaristen, die ersten Lehrer an unserer Schule, auf dem Programm, so wurden die Zuhörer in der Aula des LWG diesmal mit einer Persönlichkeit vertraut gemacht, von der viele Anwesende nicht viel mehr als den Namen gekannt haben dürften: Heinrich Hansjakob, katholischer Pfarrer und Heimatschriftsteller aus dem 19. Jahrhundert, geboren und gestorben in Haslach im Kinzigtal. Und natürlich: LWG-Schüler war er auch, in Rastatt legte er 1859 sein Abitur ab. Und nun? Sind das die Koordinaten für einen spannenden Vortrag?
Diese Frage muss mit aller Entschiedenheit bejaht werden, zumindest solange Johannes Werner ihn hält. Als Zuhörer traut man seinen Ohren kaum, mit welcher Entschlossenheit Werner seinen Protagonisten zu allererst einmal gründlich demontiert. So werden sämtliche menschliche Verfehlungen Hansjakobs, derer Werner habhaft werden konnte – und es sind einige –, schonungslos aufgelistet, so dass der Redner am Ende der Einleitung sich ernstlich fragen muss, ob eine weitere Beschäftigung mit der Person und dem Leben Hansjakobs vor diesem Hintergrund überhaupt noch lohnend erscheint.

Heinrich_Hansjakob

Immer mit Schlapphut: Heinrich Hansjakob im Jahr 1907

Mit gespannter Erwartung, wie er dieses Kunststück nun vollbringen will, verfolgten die Zuhörer anschließend Werners rundum geglückten Versuch, den unorthodoxen Pfarrer und Schriftsteller vielleicht nicht unbedingt zu rehabilitieren, so aber doch seine historische Leistung wirkungsvoll herauszuarbeiten und dann auch verdientermaßen zu würdigen. Was die historische Forschung bislang nie so recht wahrgenommen hat, weiß Johannes Werner: Der badische Heimatdichter war zu einem ganz wesentlichen Teil seines Schaffens ein unermüdlicher Sammler menschlicher Begebenheiten und Schicksale, die sich ihm in den Weg stellten. Dabei hatte er ein besonderes Empfinden für die so genannten „einfachen“ Menschen, die er stunden-, tage-, ja manchmal wochenlang befragte und davon umfangreiche Aufzeichnungen anfertigte. Diese flocht er nicht etwa zu Biographien zusammen, zu eigener Darstellung dem Volke abgelauschter Geschichten, sondern er trug das Alltagsleben dieser Menschen mit ihren Freuden und Nöten, ihren Ängsten und Hoffnungen so zusammen, wie er sie hörte. Diese Art des „Interviewens“ und dokumentarischen Festhaltens, die sich jeglichen eigenen Kommentars enthält, ist eine historische Methode, für die man erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen Namen gefunden hat: „Oral History“ wird seither der Versuch genannt, durch das Befragen von Zeitzeugen einen unmittelbaren Zugang zu alltags-, regional- und lokalgeschichtlichen Themen zu legen. Auf diese Weise hat Heinrich Hansjakob wie kein anderer vor ihm der Nachwelt einen wertvollen Beitrag zu einer „Geschichte von unten“ hinterlassen, die sich abseits der „großen“ Politik- und Geistesgeschichte um die „kleinen“ Leute verdient gemacht hat, deren schillernde Lebenswelten er einfing und konservierte.
Nicht nur für die anwesenden Schüler war dieser Abend eine Lehrstunde in Sachen Rhetorik. Das Publikum bedankte sich schließlich für den bis zur letzten Silbe packenden Vortrag mit einem lang anhaltenden Applaus. Dr. Johannes Werner – es soll hier nicht unerwähnt bleiben – war selbst auch Schüler am LWG. Bis zu seiner Pensionierung unterrichtete er die Fächer Deutsch und Englisch am Wilhelm-Hausenstein-Gymnasium in Durmersheim.

2015 Herbstbasar

Samstag, 21. November 2015. Mit Bastelarbeiten und feinen Spezereien zur Adventszeit wurden Eltern vom traditionellen Herbstbasar angelockt. Zugleich fand am LWG der Elternsprechtag statt.

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